Die Gelenke des Pferdes
1. Teil Der Gelenkaufbau
Der Bewegungsapparat ist für das Pferd sehr wichtig und umfasst die Skelettmuskulatur, die Knochen und die Gelenke des Pferdes. Mögliche Erkrankungen können weitreichende Folgen nach sich ziehen.
Häufig werden junge Pferde relativ früh ausgebildet und angeritten. Damit fallen das Anreiten und die noch nicht abgeschlossene Wachstumsphase zeitlich zusammen. Gerade die Gelenke des Pferdes sind in dieser Phase besonders anfällig für Schädigungen. Im Fohlenalter kann auch die Osteochondrose als eine Sonderform der Arthrose auftreten und irreparable Schäden nach sich ziehen. Selbst Ansätze zu Spat treten schon bei jungen Pferden auf. Am häufigsten manifestiert sich Spat jedoch bei ausgewachsenen Sportpferden.
Bei adulten Pferden sind sogenannte degenerative und damit irreversible Gelenkveränderungen wie z.B. Ostheoarthrose eine der Hauptursachen für Lahmheiten bei Pferden. Dabei treten Gelenksveränderungen auf, die das altersübliche Maß überschreiten. Die Pferde haben Schmerzen, es treten Lahmheiten und sogar Ataxien auf, so dass die Pferde nicht mehr geritten werden können. Neben dem rein wirtschaftlichen Schaden ist in solch einem Fall auch die persönliche, emotionale Betroffenheit der Pferdebesitzer von großer Bedeutung. Das Pferd besitzt zahlreiche Gelenke, die von einer möglichen Schädigung betroffen sein können.
Schematische Darstellung von ausgewählten Gelenkpositionen beim Pferd (Kern 2025):

Das synoviale Gelenk baut sich grundsätzlich aus verschiedenen Bestandteilen auf und besitzt damit eine typische Gelenkstruktur:
- Knochenenden unterhalb des Knorpels (subchondrale Knochen)
- Gelenkkapsel (Capsula articularis)
- hyaliner Gelenkknorpel (Cartilago articularis)
- Gelenkhöhle (Cavum articulare) mit der Gelenkflüssigkeit (Synovia)

Die subchondralen Knochenenden geben dem jeweiligen Gelenk Stabilität und formen die gelenksspezifische Kontur des Gelenks.
Die Gelenkkapsel ist die eigentliche Umhüllung, die das Gelenk komplett umschließt. Die Gelenkkapsel besteht aus zwei Schichten (Membranen), einer äußeren Faserschicht (Membrana fibrosa/Stratum fibrosum) und einer innen Schicht (Membrana synovialis/Stratum synoviale).
Diese verschiedenen Proteine haben gemeinsam, dass sie eine Faserstruktur aufweisen und damit dem Pferdekörper mechanische Stabilität verleihen, damit die strukturelle Integrität erhalten bleibt. Bei einer hohen Zugfestigkeit ist die Bezeichnung als Strukturprotein damit berechtigt.
Es sind mehrere verschiedene Kollagentypen bekannt, die mit römischen Ziffern bezeichnet werden, wie z.B. das Kollagen Typ I oder Kollagen Typ II.
Kollagene sind ein wichtiger Bestandteil des Bindegewebes. Typ II-Kollagen ist vor allem im Gelenkknorpel vorhanden, während Typ I u.a. in Haut, Sehnen und in der äußeren Faserschicht der Gelenkkapsel anzutreffen ist. Bei einem Mangel an Vitamin C wird die Stabilität des Kollagens verringert. Folglich ist eine ausreichende Vitamin C Versorgung des Pferdes wichtig für den Aufbau und die Funktion kollagener Gewebe. Ergänzungsfuttermittel zur Unterstützung des Gelenkaufbaus bei Pferden sollten deshalb immer mit einem sehr hohen Vitamin C Gehalt ausgestattet sein.
SALVANA Gelenk Aufbau
Eine besondere weiterverarbeitete Form von Kollagen ist Gelatine. Gelatine ist in Form von sogenannter Blattgelatine oder auch in Pulverform aus der Nahrungsmittelindustrie bekannt und wird in der Küche zum Verfestigen von z.B. flüssigen Süßspeisen, Desserts usw. verwendet. Hierbei handelt es sich um denaturiertes Kollagen, das aus tierischem Bindegewebe, wie z.B. Schweineschwarten, gewonnen wurde.
Denaturierung ist eine Strukturveränderung der betroffenen Proteine durch eine technische Behandlung, wie z.B. Erhitzen, Säurezugabe usw., bei der die biologischen Eigenschaften der betroffenen Proteine verloren gehen. Durch Erhitzen besitzt denaturiertes Kollagen nicht mehr die Funktion eines Strukturproteins und wird durch proteinspaltende Enzyme (Proteasen) leichter angegriffen als natives Kollagen. Wird denaturiertes Kollagen an Tiere verfüttert, wird das Kollagen im Verdauungstrakt mit Hilfe der Proteasen verdaut und kann gar nicht mehr an den gewünschten Zielort im Körper, den Gelenken gelangen.
Kollagene und Gelatine werden u.a. in der Kosmetik- und Klebemittelindustrie eingesetzt. In der Pferdeernährung haben denaturierte Kollagen keinerlei Bedeutung und sollten auch nicht als Lieferant von Aminosäuren eingesetzt werden.
Im Gegensatz zum denaturiertem Kollagen wird am Markt sogenanntes „nicht-denaturiertes“ Kollagen vom Typ II aus z.B. Hühnerknorpel angeboten. Es handelt sich dabei um Kollagen, das bei niedrigen Temperaturen extrahiert wurde und deshalb als nicht-denaturiert bezeichnet wird. Bereits geringe Mengen des nicht-denaturierten Kollagens Typ II über das Futter sollen das Immunsystem desensibilisieren und damit eine vorhandene Entzündungsreaktion im Gelenk reduzieren.
Folglich soll dieses spezielle Kollagen nicht für den Knorpelaufbau in den Gelenken verfüttert werden, sondern eine spezifische Immunantwort im Körper auslösen.
Das Problem ist, dass das Kollagen nicht an Tiere verfüttert werden darf, die der „Lebensmittelgewinnung“ dienen. Futtermittelrechtlich ist das Pferd grundsätzlich ein Tier, welches der Lebensmittelgewinnung dient. Die vom Gesetzgeber geschaffene Möglichkeit, dass Pferd mittels Eintrag im Equidenpass von der Schlachtung auszunehmen, hat keinerlei Auswirkung auf die futtermittelrechtliche Einstufung des Pferdes als ein Tier, welches der Lebensmittelgewinnung dient. Folglich kann denaturiertes und nicht-denaturiertes Kollagen nicht an Pferde verfüttert werden. Im Gegensatz dazu wäre der Einsatz im Hundefutter zulässig.
- Die Synovia besteht überwiegend aus:
- Wasser (ca. 94%)
- Proteinen (Albumine, Globuline)
- Glukose
- Glykosaminoglykanen: z.B. Hyaluronsäure, Chondroitinsulfat usw.
SALVANA Gelenk Aufbau
Häufig sind die Glykosaminoglykane auch sulfatiert und enthalten damit Schwefel. Im Gelenk kommen z.B. drei verschiedene Glykosaminoglykane im Gelenkknorpel bzw. auch teilweise in der Synoviaflüssigkeit vor.
Glykosaminoglykane | Vorkommen im Gelenk |
---|---|
• Hyaluronsäure | Gelenkknorpel, Synovia |
• Chodroitinsulfat | Gelenkknorpel, Synovia |
• Keratansulfat | Gelenkknorpel |
Auf Grund von Seitengruppen sind die Glykosaminglykane negativ geladene Moleküle. Wegen dieser negativen Ladung binden die Glykosaminoglykane Wasser (hydratisieren), vergrößern ihr Volumen und fungieren damit als regelrechtes biologisches Schmiermittel im Gelenk.
Handelt es sich bei der entsprechende Seitengruppe um eine Sulfatgruppe, dann enthalten die Glykosaminoglykane auch Schwefel (S). Dies ist der Grund, warum gerade schwefelhaltige Ergänzungsfuttermittel zur Unterstützung der Gelenkfunktion eingesetzt werden. Der Schwefel sollte dann auf Grund der höheren Verfügbarkeit in organisch gebundener Form z.B. als MSM (Methylsulphonylmethan) enthalten sein.
SALVANA Gelenk Aufbau
Die Hyaluronsäure gehört auch zur Gruppe der GAGs, ist aber nicht sulfatiert, so dass sie keinen Schwefel enthält. Damit ist die Hyaluronsäure, die auch als Hyaluronan bezeichnet werden kann, ein unsulfatiertes und proteinfreies Kohlenhydratpolymer, das auch den Aminozucker Glucosamin enthält. Im Gelenk wird Hyaluronsäure in der Synovialmembran von speziellen Zellen und von den Chondrozyten im Gelenkknorpel hergestellt.
Glykosaminoglykane sind grundsätzlich proteinfreie Kohlenhydratpolymere. Glykosaminoglykane können auch kovalent mit einem Kernprotein verknüpft als Proteoglykane (PGs) vorliegen. Der Proteinanteil (Kernprotein) ist in den PGs jedoch wesentlich geringer als der Glykananteil. Auf Grund ihrer ebenfalls hohen Wasserbindungskapazität fungieren Proteoglykane auch als Gleitmittel in Gelenken. Proteoglykane bilden die Grundsubstanz des Bindegewebes.